{"id":608,"date":"2022-03-28T17:56:22","date_gmt":"2022-03-28T15:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/news.ifit.li\/?p=608"},"modified":"2024-09-25T10:13:52","modified_gmt":"2024-09-25T08:13:52","slug":"was-ist-katholisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news.ifit.li\/?p=608","title":{"rendered":"Was ist katholisch?"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><a href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral-shop\/was-ist-katholisch-gebundene-ausgabe\/c-37\/p-21369\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Herder Verlag, 1. Auflage 2021.<\/a><\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Zehn Prinzipien des Katholischen<\/h4>\n\n\n\n<p>(Siehe Herder Verlag, S. 235-240, 1. Auflage 2021.)<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Katholik glaubt \u2013 im Unterschied zu blo\u00dfen Meinungen \u00fcber den \u00bbunbekannten Gott\u00ab (Apg 17, 23) \u2013 \u00bbmit g\u00f6ttlichem und katholischem Glauben\u00ab, d. h. mit geoffenbartem und von der Kirche als Bekenntnis vorgelegtem Glauben, an den dreifaltigen GOTT.<br>Gott, der zu Mose sprach: Ich bin der Ich bin (Ex 3, 14), offenbarte dem Volk Gottes und der Kirche Christi im Laufe der Welt- und Heilsgeschichte sein eigenes Wesen und Selbst-Sein in der Fleischwerdung (Inkarnation) seines WORTES und in der endzeitlichen Ausgie\u00dfung seines HEILIGEN GEISTES als \u00bbdie Gnade und die Wahrheit\u00ab (Joh 1, 17), damit alle Kinder Gottes werden, die an seinen Namen glauben (Joh 1, 12).<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik ist \u00fcberzeugt, dass jeder Mensch vermittels seiner nat\u00fcrlichen Vernunft, von der Kontingenz der Welt auf die Unbedingtheit des Daseins Gottes in voller Gewi\u00dfheit schlie\u00dfen kann, der sich ihm zu erkennen gibt als Ursprung und Ziel seines Da-Seins und seiner Frage nach dem Sinn von Sein und seiner Suche nach der Wahrheit.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik glaubt, dass die \u00fcbernat\u00fcrliche Offenbarung Gottes in Jesus Christus \u2013 in Verbindung mit der nat\u00fcrlichen Gotteserkenntnis und den der Vernunft evidenten Seins- und Erkenntnisprinzipien \u2013 durch den Heiligen Geist pr\u00e4sent bleibt sowohl im diachronen als auch im synchronen Glaubensbewusstsein der katholischen Kirche und dem Glaubenssinn des ganzen Gottesvolkes. Denn Gott selbst spricht zu uns in Seinem Wort durch die Lehre der Apostel in der Heiligen Schrift. Und er vermittelt selbst Seine Wahrheit und Seine Gnade weiter in der lebendigen Tradition der Kirche (Predigt, Katechese, Liturgie, dem einm\u00fctigen Zeugnis der Kirchenv\u00e4ter und Kirchenlehrer). Und Gott selbst legt sein einmalig und f\u00fcr immer zu unserem Heil gesprochenen Wort, das in Jesus Christus Fleisch geworden ist, irreversibel aus in den letztverbindlichen Entscheidungen (den Artikeln des Credo, den dogmatischen Definitionen) des kirchlichen Lehramtes (des Gesamt-Episkopates mit dem Papst an der Spitze).<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik steht aufgrund der Inkarnation in einer Ich-Du-Relation zu Gott seinem Vater (Gottebenbildlichkeit), zum Sohn Gottes als seinem Erl\u00f6ser und Bruder (Gotteskindschaft) und zum Heiligen Geist als Freund (heiligmachende Gnade; Verg\u00f6ttlichung). Gott hat seinen Namen geoffenbart als der Seiende und als die dreifaltige Liebe von Vater und Sohn im Heiligen Geist. Er hat uns beim Namen angerufen und uns den Namen eines Sohnes und einer Tochter Gottes gegeben. Wir sind vor Gott Person und nicht Exemplar einer Gattung oder Genosse in einem Kollektiv.<\/li>\n\n\n\n<li>Die personale Relation und Kommunikation vollzieht sich in den drei g\u00f6ttlichen Tugenden von Glaube (fides), Hoffnung (spes) und Liebe (caritas). Mit ihnen verbunden sind die vier durch menschliche Anstrengung erwerbbaren Kardinaltugenden der Klugheit (prudentia), der Gerechtigkeit (iustitia), der Tapferkeit (fortitudo) und des Ma\u00dfes (temperantia). Die g\u00f6ttlichen Tugenden sind von Gott eingegossen in die Seele und werden zu einem Gott-menschlichen Synergie-Effekt, wenn die Gnade sich mit dem freien Willen zu einem \u00f6ffentlichen Bekenntnisakt in und mit der ganzen Kirche verbindet.<br>5.1 In dem Glauben (an-)erkennt der Katholik \u2013 theozentrisch \u2013 Gott als die ewige Wahrheit und nimmt sie frei-willentlich hinein in seinen geistigen Selbstvollzug.<br>5.2 In der Hoffnung intendiert der Katholik \u2013 christozentrisch \u2013 Gott als Ziel seines Lebenswegs in der Nachfolge Christi bis zu Kreuz und Auferstehung.<br>5.3 In der Liebe verinnerlicht der Katholik \u2013 pneumatologisch \u2013 sein bedingungsloses Gewollt-Sein vom dreifaltigen Gott und erfasst geistig und affektiv darin den wahren Grund seiner Existenz als ewige Vorherbestimmung zum unverlierbaren Heil.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik nimmt als Moment des Christus-Ereignisses auch die kirchliche und sakramentale Heilsvermittlung an. Denn diese folgt aus der Inkarnation und ist die Weiterf\u00fchrung der Sendung des Sohnes und die Vergegenw\u00e4rtigung (geschichtliche-immanente Vermittlung) seiner Wahrheit und Gnade im Heiligen Geist, der \u00bbvon oben her\u00ab transzendental das Heilswerk Christi vermittelt. Daraus ergeben sich die christliche Weltverantwortung und der Einsatz f\u00fcr den Weltfrieden, die soziale Gerechtigkeit, die Freiheit und W\u00fcrde des Menschen gegen die Willk\u00fcr der M\u00e4chtigen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik glaubt, dass der individuelle Leib Jesu w\u00e4hrend seiner historischen Lebenszeit \u2013 nachdem er nach der Auferstehung sich zur Rechten Gottes im Himmel gesetzt hat \u2013, nun auf Erden zeichenhaft-real repr\u00e4sentiert wird durch seinen ekklesialen Leib und dass er insbesondere in seinem sakramentalen Leib \u00bbwahrhaft, wirklich und wesentlich\u00ab (DH 1651) gegenw\u00e4rtig ist, weshalb die Eucharistie zum inneren Konstitutionsprinzip der Kirche wird und gleichzeitig die Kirche der \u00e4u\u00dfere Grund und das sichtbare Subjekt der Feier der Sakramente ist. Wegen des Zusammenhangs der Leiblichkeit des Menschen, des Heils im Mensch gewordenen Gottessohn und der Verleiblichung der Gnade in den Sakramenten und der Hoffnung auf die Auferstehung des Fleisches lautet ein katholisches Axiom: Caro cardo salutis.<br>Und da die Identit\u00e4t des Sch\u00f6pfers der Welt und des Erl\u00f6sers des Menschen jede dualistische Denkform im Gottesverst\u00e4ndnis und im Menschen- und Weltbild (milder Platonismus, Gnostizismus, Manich\u00e4ismus) wie auch monistische Weltanschauungen (Rationalismus, Idealismus, Materialismus, Empirismus, Positivismus) ausschlie\u00dft, muss die katholische Denkform, die aus dem Sein der Welt und dem Wort der Offenbarung abzuleiten ist, so lauten: \u00bbDa n\u00e4mlich die Gnade die Natur nicht beseitigt, sondern im Gegenteil vollendet, so geh\u00f6rt es sich, dass die nat\u00fcrliche Vernunft ganz im Dienst des Glaubens stehe, wie auch die nat\u00fcrlichen Neigungen des Willens der \u00fcbernat\u00fcrlichen Liebe gehorchen \u2013 Cum enim gratia non tollat naturam, sed perficiat, oportet quod naturalis ratio subserviat fidei, sicut et naturalis inclinatio voluntatis obsequitur caritati.\u00ab<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik glaubt an die pers\u00f6nliche Rechenschaft, die jeder Mensch vor dem Richterstuhl Gottes einmal ablegen muss f\u00fcr seine Taten und Vers\u00e4umnisse im irdischen Leben, weil es die W\u00fcrde des Menschen ausmacht, Herr seiner geistigen Entscheidungen und sittlichen Handlungen zu sein und der folglich von seinem Sch\u00f6pfer und Erl\u00f6ser den Lohn f\u00fcr seine guten und schlechten Taten zu erwarten hat.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik bekennt sich zum Petrinischen Prinzip der Kirche. Darunter versteht man die in Simon Petrus zusammengefasste hierarchisch-sakramentale Verfassung der pilgernden Kirche (ecclesia peregrinans, militans). Wenn Christus die Dauer der Kirche bis ans Ende der Geschichte gewollt hat, dann hat er auch die Fortdauer der Vollmacht, die er Petrus f\u00fcr das Wirken der Kirche am Anfang gegeben hat, in seinen Nachfolgern auf seiner Cathedra in Rom gewollt.<br>Die Beziehung zwischen der Kirche als (unsichtbarer, verborgener) Gnadengemeinschaft und als gesellschaftlich verfasster (sichtbare, manifeste) Bekenntnis- und Kultgemeinde kann nicht im platonischen Schema von Urbild und (schattenhaften) Abbild erfasst werden. Die Kirche ist vielmehr leibhaft-reale Pr\u00e4senz der Gnade Christi in der Welt, die als ihr Zeichen uns effektiv die Lebensgemeinschaft mit Gott vermittelt. Darum gibt es kein Privatverh\u00e4ltnis zu Jesus, dem Haupt der Kirche, an seiner konkreten Pr\u00e4senz in seinem kirchlichen und sakramentalen Leib vorbei.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Katholik glaubt an Gott, hofft auf ihn und liebt ihn in der jungfr\u00e4ulichen und m\u00fctterlichen Geistesverfassung, in der Maria, \u00bbdie Mutter des Herrn\u00ab (Lk 1, 43), ihren menschlichen Sohn Jesus, der in Ewigkeit der Sohn im dreifaltigen Gott ist, als den messianischen, ins Fleisch gekommenen Sohn Gottes (R\u00f6m 8, 3; Gal 4, 4; Phil 2, 7) durch das Wirken des Heiligen Geistes in ihrem Leib und Herzen empfangen und geboren hat (Lk 1, 31), die ihn aber auch bis zur Offenbarung seiner g\u00f6ttlichen Herrlichkeit in seinem Tod am Kreuz nicht verlassen hat (Joh 17, 1; 19, 26). Darum ist sie die Mutter des Glaubens und der ganzen Kirche, die in ihr das Urbild ihres jungfr\u00e4ulich-br\u00e4utlichen Verh\u00e4ltnisses zu Gott und ihres m\u00fctterlichen Verh\u00e4ltnisses zu uns (Lk 1, 38). Von ihrem Beispiel gest\u00e4rkt verstehen wir das mystische Motiv der \u00bbGottesgeburt in der Seele\u00ab gem\u00e4\u00df dem Epigramm des Angelus Silesius (1624\u2013167): \u00bbWird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir, du bliebest ewiglich verloren.\u00ab<br>Mit dem Marianischen Prinzip ist nicht nur die Anerkenntnis der mariologischen Dogmen und die Verehrung Marias als Jungfrau und Gottesmutter gemeint (Lk 1, 48), sondern auch das grenzenlose Vertrauen des Glaubenden in Gott, der denen, die ihn lieben, alles zum Besten gereichen l\u00e4\u00dft, \u00bbdie er im Voraus dazu bestimmt hat, an Wesen und Gestalt seines Sohne teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborne unter vielen Br\u00fcdern sei\u00ab (R\u00f6m 8, 29). Deshalb beten Katholiken nach dem \u00bbGebet des Herrn\u00ab das Ave Maria, das komponiert ist mit den Worten des Engels Gabriel an Maria und der Begr\u00fc\u00dfung durch Elisabeth, der Mutter Johannes des T\u00e4ufers, als sie in ihr Haus des Zacharias eintrat<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Gegr\u00fc\u00dfet seist du Maria,<br>voll der Gnade,<br>der Herr ist mit dir.<br>Du bist gebenedeit unter den Frauen,<br>und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,<br>Jesus.<br>Heilige Maria, Mutter Gottes,<br>bitte f\u00fcr uns S\u00fcnder<br>jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Das katholische Profil: derselbe Glaube \u2013 in der gesamten Kirche \u2013 auf der ganzen Welt<\/h4>\n\n\n\n<p>Iren\u00e4us von Lyon, der \u00bbVater der katholischen Dogmatik\u00ab, fa\u00dft gegen die h\u00e4retische Aufl\u00f6sung der heilsgeschichtlichen Realit\u00e4t der Offenbarung in den gnostischen Mythen und Spekulationen den \u00bbvon den Aposteln und ihren Sch\u00fclern angenommen Glauben\u00ab zusammen. Der Glauben an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist mit den Werken der Sch\u00f6pfung, Erl\u00f6sung und Heiligung (= symbolum fidei) stellt er dar als Glaubensregel (= regula fidei) der einen \u00fcber die ganze Erde verbreiteten Kirche. Die Glaubensregel (regula fidei seu veritatis) geht aus der Taufkatechese (Lk 1, 4; Gal 6, 6; Hebr 6, 1\u201317) und dem Taufbekenntnis hervor und verdichtet sich im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Dann erkl\u00e4rt er die Einheit der Kirche, die begr\u00fcndet ist in dem einen und selben Glauben und ihn in der ganzen Welt kund macht. Somit bleibt f\u00fcr Sonderlehren oder Sonderrollen von Nationalkirchen und sogenannten Lebenswirklichkeiten kein Platz mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDiese Botschaft, die sie empfangen hat, und diesen Glauben bewahrt die Kirche, obwohl sie \u00fcber die ganze Welt verbreitet ist, so sorgf\u00e4ltig, wie wenn sie in einem einzigen Haus wohnte \u2026 Denn wenn auch die Sprachen \u00fcberall in der Welt verschieden sind, so ist doch der Inhalt der \u00dcberlieferung (paradosis; traditio apostolica) \u00fcberall ein und derselbe. Die Kirchen, die es in Germanien gibt, glauben und \u00fcberliefern nicht anders als in Iberien (Spanien) und die bei den Kelten (Gallien; heute: Frankreich, Belgien) nicht, ebenso die im Orient und in \u00c4gypten, in Lybien und in der Mitte der Welt \u2026 Und auch der begabteste Prediger unter den kirchlichen Vorstehern predigt nicht anders als die anderen, denn keiner steht \u203a\u00fcber dem Lehrer\u2039 (Mt 10, 24); und der schwach begabte Prediger tut der \u00dcberlieferung keinen Abbruch. Es ist eben ein und derselbe Glaube \u2026\u00ab. \u00bbDie Tatsache, dass je nach Fassungskraft die einen mehr, die anderen weniger wissen, bedeutet nicht, dass sie die Lehre inhaltlich ab\u00e4ndern und sich einen andern Gott<br>ausdenken neben dem Sch\u00f6pfer, Urheber und Ern\u00e4hrer des Alls, als w\u00fcrde ihnen dieser nicht gen\u00fcgen, oder einen anderen Christus oder einen anderen Eingeborenen (Sohn des Vaters).\u00ab Und nun kommt Iren\u00e4us zu sprechen auf die Aufgabe der theologischen Reflexion im Dienste der Darstellung des Glaubens in Predigt und Katechese: \u00bbEs ist so, dass die Inhalte der Parabeln wiederholt \u00fcberdacht werden, um sie in die Grundgedanken der Wahrheit einzuordnen und die Aktivit\u00e4t und die Heilsordnung Gottes f\u00fcr die Menschheit werden erl\u00e4utert, und es wird u. a. erkl\u00e4rt: warum ein und derselbe Gott Himmlisches und Irdisches erschaffen hat \u2026 warum \u203aGott alles in den Ungehorsam eingeschlossen hat, um sich aller zu erbarmen\u2039 (R\u00f6m 11, 32) und dankbar sagen, warum der Logos Gottes \u203aFleisch wurde\u2039 (Joh 1, 14) und gelitten hat \u2026 Das unterschiedliche Glaubenswissen besteht aber nicht darin, \u00fcber den Sch\u00f6pfer hinaus ein Pleroma, dann ein Volk von drei\u00dfig und schlie\u00dflich von unz\u00e4hlbar vielen \u00c4onen dazu zu l\u00fcgen, wie es die Lehrer dieser Leute (Markion, Basilides, Valentin) tun, die wahrhaftig von aller g\u00f6ttlichen Einsicht verlassen sind. Stattdessen besitzt \u2013 wie gesagt \u2013 die gesamte Kirche (d. h. in der apostolischen Nachfolge der Apostel) auf der ganzen Welt ein und denselben Glauben.\u00ab \u00bbDie H\u00e4retiker \u2026 k\u00f6nnen, weil sie blind sind f\u00fcr die Wahrheit, gar nicht anders als dauernd andere Wege zu gehen, die von der rechten Bahn abweichen. Aber der Pfad derer, die aus der Kirche kommen, f\u00fchrt um die ganze Welt, er hat n\u00e4mlich von den Aposteln eine feste Tradition, und er l\u00e4sst uns bei allen ein und denselben Glauben sehen, indem alle den einen und selben Gott-Vater annehmen und dieselbe Heilsordnung der Menschwerdung des Sohnes Gottes glauben; sie kennen dieselbe Schenkung des Geistes und bedenken dieselben Gebote und bewahren dieselbe Form der kirchlichen Verfassung; sie warten auf dieselbe Ankunft des Herrn und halten am selben Heil f\u00fcr den ganzen Menschen fest, das hei\u00dft f\u00fcr Seele und Leib. Die Predigt der Kirche ist demnach wahr und fest; bei ihr findet sich derselbe Heilsweg in der ganzen Welt \u2013 eadem salutis via in universo mundo ostenditur.\u00ab<br>\u00bbDie Kirche des lebendigen Gottes\u00ab ist jedoch kein Selbstzweck, sondern dient \u00bbals S\u00e4ule und Fundament der Wahrheit\u00ab (1 Tim 3, 15) nur dem einem Ziel Gottes, \u00bbder will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen\u00ab (1 Tim 2, 4). Die \u00bbKirche ist nur Kirche f\u00fcr andere\u00ab (Bonhoeffer), wenn sie jeden einzelnen Menschen mit der einzig entscheidenden Frage konfrontiert: Wozu bin ich auf Erden?<br>Im katholischen Katechismus \u2013 dem Lehrbuch f\u00fcr die Taufbewerber, die sich auf den Empfang der g\u00f6ttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe vorbereiten oder f\u00fcr die Getauften, die sich \u00bbvon der Zuverl\u00e4ssigkeit der Lehre \u00fcberzeugen wollen, in der sie unterwiesen wurden\u00ab (Lk 1, 3) \u2013 lautet die Antwort lapidar: Ich bin auf Erden, damit ich Gott erkenne und seinen Willen erf\u00fclle, um dadurch in den Himmel zu kommen. Inmitten des gewaltigen Konflikts um Rechtfertigung und Glaube, S\u00fcnde und Vergebung konnten zwei der als unvers\u00f6hnlich stilisierten Repr\u00e4sentanten der reformatorischen und katholischen Geistesart theologisch kompatibel und komplement\u00e4r die Frage nach dem Warum unseres Lebens auf Erden ausdr\u00fccken.<br>In Martin Luthers Kleinen Katechismus (1529) wird der erste Artikel des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses pers\u00f6nlich ergreifend so gefasst: \u00bbIch glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen mit Leib und Seele, Augen und Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erh\u00e4lt \u2026 aus lauter v\u00e4terlicher, g\u00f6ttlicher G\u00fcte und Barmherzigkeit, ohne all mein Verdienst und W\u00fcrdigkeit: f\u00fcr all das ich ihm zu danken und gehorsam zu sein schuldig bin.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenige Jahre sp\u00e4ter beginnt Ignatius von Loyola seine ber\u00fchmten \u00bbGeistlichen \u00dcbungen\u00ab, die dazu dienen, sich selbst zu \u00fcberwinden und sein Leben zu ordnen\u00ab (1548) mit dem \u00bbPrinzip und Fundament\u00ab (Nr. 23), womit meine gesch\u00f6pfliche Existenz steht und f\u00e4llt:<br>\u00bbDer Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott Unseren Herrn zu loben, Ihn zu verehren und Ihm zu dienen, und so seine Seele zu retten. Die anderen Dinge auf Erden, sind zum Menschen hin geschaffen, um ihm bei der Verfolgung seines Zieles zu helfen, zu dem hin er geschaffen ist. Hieraus folgt, dass der Mensch sie soweit zu gebrauchen hat, als sie ihm zu seinem Ziele hin helfen, und soweit zu lassen, als sie ihn daran hindern.\u00ab<br>Nicht in apologetisch abgrenzender, sondern in positiv erkl\u00e4render Absicht, stellt sich die Frage nach der glaubensrelevanten (= dogmatischen) Bedeutung des Pr\u00e4dikates katholisch, welches das I. Konzil von Konstantinopel (381) der Kirche zusammen mit den Eigenschaften einig, heilig und apostolisch attestiert. Welche Aussagen enth\u00e4lt der katholische Glaube \u00fcber die geoffenbarten Heilsgeheimnisse? In welcher Hinsicht auf Gott ergibt sich das Welt- und Menschenbild der katholischen Theologie? Wie vollzieht sich das Leben eines J\u00fcngers Christi in der katholischen Kirche? Wie wird man \u00fcberhaupt ein katholischer Christ? Was sind die Quellen, die Prinzipien, die Formen und Inhalte katholischer Existenz? Gibt es eine spezifisch katholische Mentalit\u00e4t und Sicht auf den Menschen und den Kosmos? Worin bestehen die spezifischen Eigenheiten, die das katholische Bekenntnis von anderen Glaubensrichtungen unterscheiden? Was verbindet katholische M\u00e4nner und Frauen mit den Christen anderer christlicher Kirchen und Konfessionen und mit den Menschen guten Willens, die wenigstens an die absolute \u00dcberlegenheit des Seins \u00fcber das Nichts glauben?<br>F\u00fchrt eine Br\u00fccke von den existentiellen Fragen nach dem Sinn des Lebens und des Sterbens, des B\u00f6sen und des Leidens zum Glauben der Kirche an Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erl\u00f6ser aller Menschen?<br>Nach langen Irrwegen im Geist des Manich\u00e4ismus und der libert\u00e4ren Lebensf\u00fchrung befreite Gottes Gnade den Augustinus von seinen Zweifeln und bekehrte ihn endlich zur Wahrheit. Eines Tages h\u00f6rte er in einem Winkel des Gartens ein Kind das Liedchen tr\u00e4llern: Nimm und lies!<br>Und der Heilige schildert seine seelische Ersch\u00fctterung so:<br>\u00bbIch hemmte die Gewalt der Tr\u00e4nen und stand vom Boden auf; ich wusste keine andere Deutung, als dass mir Gott befehle, das Buch zu \u00f6ffnen und die Stelle zu lesen, auf die ich zuerst tr\u00e4fe. Denn von Antonius hatte ich geh\u00f6rt, wie er bei einer Evangelien-Lesung, zu der er sich eingefunden hatte, die Worte \u203aGeh, und verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen. Und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach\u2039, als w\u00e4re auf ihn bezogen, was er da las, sich zur Mahnung genommen und bei diesem Gottesspruch sogleich bekehrt hatte. So ging ich eilends wieder an den Platz, wo Alypius sa\u00df; denn dort hatte ich das Buch des Apostels hingelegt, als ich aufgestanden war. Ich ergriff es, schlug es auf und las still den Abschnitt, auf den zuerst mein Auge fiel: \u203anicht ma\u00dfloses Essen und Trinken, nicht Unzucht und Ausschweifung, nicht Streit noch Eifersucht; vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an.<br>Und sorgt nicht so f\u00fcr euren Leib, dass die Begierden erwachen\u2039 (R\u00f6m 13, 12\u201314). Weiter wollte ich nicht lesen, und weiter war es auch nicht n\u00f6tig. Denn kaum war dieser Satz zu Ende, str\u00f6mte mit Gewissheit als ein Licht ins kummervolle Herz, dass alle Nacht des Zweifelns hin und her verschwand.\u00ab Und es kommt in Ostia bei Rom zu der ber\u00fchrenden Szene mit dem Gespr\u00e4ch des hl. Augustinus mit seiner Mutter Monika, die in der Vorahnung des baldigen Todes ihrem Sohn sagte, warum sie die ganzen Jahre durchgehalten hat: \u00bbNur ein Grund war es, warum ich noch ein Weilchen leben wollte: dich als katholischen Christen sehen, bevor ich sterbe \u2013 Unum erat, propter quod in hac vita aliquantum immorari cupiebam, ut te christianum catholicum viderem, priusquam morerer\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral-shop\/was-ist-katholisch-gebundene-ausgabe\/c-37\/p-21369\/\" target=\"_blank\">Was ist katholisch? Herder Verlag, 1. Auflage 2021.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herder Verlag, 1. Auflage 2021. Zehn Prinzipien des Katholischen (Siehe Herder Verlag, S. 235-240, 1. Auflage 2021.) 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